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01 / Abfall2026-10-206 Min. Lesezeit3 Quellen

Warum GOODCALL mit einem Produkt statt einer Kollektion startet

Mit einem Produkt zu starten, hilft uns, nach tatsächlicher Nachfrage zu planen. Wir müssen weniger über künftige Lagerbestände spekulieren, können die Qualität gezielter prüfen und vermeiden den Druck, unverkaufte Ware später mit Rabatten loszuwerden.

Aktualisierung / 20. Oktober 2026

Als dieser Artikel auf Englisch erschien, war ein Start ohne Werbebudget geplant. Inzwischen hat GOODCALL ein Werbebudget. Wir haben die entsprechende Passage unten angepasst.

Definition
Überproduktion

Bei Kleidung beginnt Überproduktion, wenn eine Marke mehr Produktvarianten und größere Mengen einplant, als sie realistisch zu einem stabilen regulären Preis verkaufen kann.

Über Abfall wird meist am Ende der Kette gesprochen. Der Fehler in der Planung passiert früher: zu viele Produkte, Einkauf auf Verdacht und festgelegte Lagerziele, bevor überhaupt jemand etwas gekauft hat.

Wenn du eine Kleidungsmarke aufbaust, geht es bei der ersten grundlegenden Entscheidung weder um Farbe noch um Preis. Es geht ums Sortiment: Mit wie vielen Produkten startest du?

Die Antworten liegen oft irgendwo zwischen „genug, um als Marke ernst genommen zu werden“ und „so viele, wie wir als Muster bezahlen können“. Beide behandeln ein breites Sortiment als Zeichen von Selbstvertrauen. Dabei steckt dahinter vor allem eine Wette auf die Nachfrage.

Jan persönlich

Transparenz und begrenzte Mittel standen von Anfang an fest. Damit war für mich auch die Entscheidung klar: ein Produkt statt einer Kollektion.

Ich hätte gern mit mehr angefangen. Ein Hoodie, ein Crewneck, vielleicht ein Tee. Aber mehr Produkte bedeuten mehr Specs, mehr Lieferanten und mehr Entscheidungen, die stimmen müssen. Und das alles, bevor geklärt ist, ob überhaupt jemand das erste Produkt haben will.

Danach war die Wahl des Hoodies einfach. Ich trage ihn am häufigsten. Beim Spielen mit meiner Tochter. Auf der Couch mit meiner Frau. Ein Hoodie ist für mich kein modisches Statement. Ich trage ihn, wenn ich niemandem etwas vorspielen muss.

01 / Kapitel

Die schwierigste Frage ist die nach der Nachfrage

Die meisten jungen Marken scheitern nicht am falschen Grauton. Sie bauen ein Sortiment auf, bevor sie einen Beleg dafür haben, dass Menschen überhaupt ein ganzes Sortiment von ihnen wollen.

Die Wette beim Start mit zehn Produkten
10×

Zehn Produkte sind zehn Wetten auf einem einzigen Budget. Für jedes davon musst du einschätzen:

01
Welche Schnitte sich verkaufen.
02
Welche Größen tatsächlich gefragt sind.
03
Welche Farben liegen bleiben.
04
Welche Teile das Lager nur mit Preisnachlass verlassen werden.

Hier beginnt das Problem unverkaufter Ware: schon in der Planungstabelle, lange bevor Kleidung auf der Deponie landet.Quelle 01Quelle 02

02 / Kapitel

Was der Start mit einem Produkt verändert

Vergleich
Nachfrage
Zuerst eine Kollektion
Die Nachfrage wird für mehrere Schnitte, Farben und Größen geschätzt, bevor der Markt geantwortet hat.
Ein Produkt im Batch-Modell
Zuerst wird die Nachfrage nach einem Kernprodukt geprüft. So lässt sich deutlicher erkennen, was funktioniert und was nicht.
Musterentwicklung
Zuerst eine Kollektion
Mehrere Produkte bedeuten mehr Musterrunden, mehr Entscheidungen und mehr Möglichkeiten für uneinheitliche Ergebnisse.
Ein Produkt im Batch-Modell
Die Arbeit an den Mustern konzentriert sich auf ein Kleidungsstück und seine Specs.
Rabattdruck
Zuerst eine Kollektion
Unverkaufte Teile erhöhen den Druck, künstliche Dringlichkeit zu erzeugen, Rabatte zu geben oder Bestände still abzuschreiben.
Ein Produkt im Batch-Modell
Ein Batch-Modell kann auf Nachfrage warten, statt eine falsche Prognose mit inszenierten Preisaktionen zu kaschieren.
Qualitätskontrolle
Zuerst eine Kollektion
Die Aufmerksamkeit verteilt sich auf mehr Schnittmuster, mehr Zutaten und mehr Fragen zu Fertigungstoleranzen.
Ein Produkt im Batch-Modell
Der Gründer kann mehr Zeit in ein Kleidungsstück investieren und muss weniger Einzelteile im Blick behalten.
Das zählt besonders für eine kleine Marke ohne eigenes Produktionsteam.

Der Druck durch unverkaufte Bestände entsteht aus früheren Fehlprognosen. Auch die Regeln gegen die Vernichtung unverkaufter Ware, deren Durchsetzung in der EU jetzt beginnt, setzen am Ende dieser Kette an. Die Probleme tauchen dort nicht plötzlich aus dem Nichts auf.Quelle 02Quelle 03

Jan persönlich

Kleidung war für mich komplettes Neuland. Ich wusste fast nichts über Materialien oder Verarbeitung. Im Hinterkopf hatte ich nur diesen vertrauten Satz: Früher hat Kleidung länger gehalten. Ich wollte verstehen, warum, und ob sich daran etwas ändern lässt.

So zu lernen, funktioniert für mich nur mit einem Produkt. Schon die Faktoren für Haltbarkeit, etwa Garn, Strickstruktur, Ausrüstung und Verarbeitung, sind mehr als genug für ein Projekt nebenbei. Ein zweites Kleidungsstück hätte doppelt so viele Entscheidungen bedeutet, bevor ich die ersten überhaupt verstanden hatte.

03 / Kapitel

Was ein einzelnes Produkt nicht löst

Ein kleines erstes Sortiment macht eine Marke noch nicht verantwortungsvoll. Es lässt ihr aber weniger Ausreden.

Die Grenzen des Modells

Auch mit nur einem Produkt bleiben diese Aufgaben:

01
Gute Materialien wählen

Ein schmales Sortiment gleicht weder einen ungeeigneten Stoff noch minderwertige Zutaten aus.

02
Lieferantenaussagen belegen

Auch ein kleiner Start braucht konkrete Nachweise. Unverbindliche Formulierungen von Fabrik oder Stoffhersteller reichen nicht.

03
Den Fit prüfen

Auch ein einzelnes Produkt kann an Schulter, Rumpf oder Ärmel schlecht sitzen, wenn das Schnittmuster nicht stimmt.

04
Qualität konsequent kontrollieren

Bei nachlässiger Prüfung konzentriert ein kleines Sortiment lediglich den Fehler.

05
Sauber kalkulieren

Eine schlechte Preisgestaltung und lückenhafte Transparenz werden durch weniger Produkte nicht ehrlicher.

Mit weniger Produkten gibt es weniger Stellen, an denen sich eine Marke hinter Komplexität verstecken kann.

04 / Kapitel

Was wir mit dem ersten Batch herausfinden wollen

Die Frage ist überschaubar: Kann ein Produkt für sich bestehen, ohne künstliche Dringlichkeit und ohne einen Katalog, in dem es untergeht? Für GOODCALL ist inzwischen auch ein Werbebudget eingeplant.

Jan persönlich

Ich will es richtig machen und öffentlich zu den Entscheidungen stehen. Es wird Kompromisse geben. Die will ich offen benennen. Menschen suchen nach einem ehrlichen Umgang mit Fehlern und Grenzen, auch wenn die meisten Marken ihnen den nicht bieten.

Im schlechtesten Fall erreichen wir die Mindestbestellmenge nicht und der Hoodie geht nie in Produktion. Dann hätte ich trotzdem viel gelernt. Und das Projekt hätte bei mir mehr echtes Interesse geweckt als die meisten Hobbys. Neue Tools ausprobieren, Abläufe aufbauen, mit wenig Mitteln schnell vorankommen: Das hat unabhängig vom Ausgang einen Wert.

Wenn der Batch voll wird, sagt uns das etwas. Wenn er nicht voll wird, ebenfalls. Beides ist aussagekräftiger als ein Start mit zusätzlichen Produktvarianten, beiläufigen Rabatten oder Lagerbeständen, die später schöngeredet werden.

Wir wollen ehrlich zeigen, ob das Modell funktioniert.

Wenn du den geplanten Hoodie genauer ansehen möchtest, findest du hier die öffentlichen Produkt-Specs. Um die Entwicklung mitzuverfolgen, kannst du dich in die Warteliste eintragen. Die bisherigen Ausgaben in Euro stehen im öffentlichen Dashboard (Englisch).

Häufige Fragen

Antworten auf häufige Fragen zum Thema.

Q01

Reicht ein Produkt, um eine Kleidungsmarke aufzubauen?

Es reicht, um öffentlich zu prüfen, ob Produkt, Preismodell und Transparenzversprechen funktionieren. Eine Erweiterung wird erst dann relevant, wenn sich dieser Ansatz bei echten Käufern bewährt hat.

Q02

Verhindert ein einzelnes Produkt jeden Abfall?

Nein. Es beseitigt nur eine wichtige Ursache: ein Sortiment aufzubauen, bevor die Nachfrage belegt ist. Muster, Logistik und Produktion müssen trotzdem geprüft werden.

Quellenverzeichnis

Hier findest du die Dokumente und Daten, auf die sich dieser Artikel stützt.

Quelle 01
Textiles thematic module
Überblick über Textilkonsum, Abfall und Herausforderungen für eine Kreislaufwirtschaft in Europa.
European Environment Agency
Quelle öffnen
Quelle 02
Many returned and unsold textiles end up destroyed in Europe
Zusammenfassung zu Retouren, unverkaufter Ware und dem Druck, Textilien im EU-Markt zu vernichten.
European Environment Agency
Quelle öffnen
Quelle 03
New EU rules to stop destruction of unsold clothes and shoes
Neue EU-Maßnahmen gegen die Vernichtung unverkaufter Kleidung und Schuhe.
European Commission
Quelle öffnen
01 / AbfallVON JAN JERUSALEMMIT KI-UNTERSTÜTZUNG / OFFENGELEGT3 QUELLEN